Pferdestadt Warendorf

Fritz Otto-Erley über die Bedeutung des Pferdes für unsere Stadt.
Kennen Sie das Bild in der Warendorfer Innenstadt: junge und ältere Menschen in Reithosen, Sneakers,  bunt karierten Kniestrümpfen und sportlichen Polo-Shirts oder Pullis bevölkern unsere Geschäfte und gastronomischen Betriebe über das ganze Jahr hinweg – ein vom Outfit her eher ungewöhnlicher Anblick, in der Stadt des Pferdes aber fast ständig präsent. Es sind Menschen rund ums Pferd, die dauerhaft oder vorübergehend, professionell oder aus eher touristischen Gründen „Umsatz in Warendorf“ machen.

Und es sind nicht nur die Institutionen und Events des Pferdesports und der Pferdezucht in unserer Stadt, die diese Menschen und ihren Anhang in unsere Stadt locken – zahlreiche Unternehmen, die gar nicht auf den ersten Blick als Pferde-affin erscheinen, profitieren vom Image der Vierbeiner bei ihren vielfältigen Angeboten.

Aktuelles Beispiel: auf einem kleinen, regionalen Turnier eines hiesigen Reitvereins taucht ein junger Mann aus dem Fränkischen mit seinen Pferden in der Teilnehmerliste auf. Auf entsprechende Nachfrage teilt er mit, dass er gerade nach Warendorf gezogen sei, um seine sportlichen Aktivitäten optimal betreiben zu können – noch in dieser Woche werde er seinen ersten Schultag an einem Warendorfer Gymnasium antreten. Sicher kein alltäglicher, aber auch kein Einzel-Fall. Dass zu diesem jungen Mann auch Eltern gehören, die hier heimisch werden wollen, bedarf sicher keiner besonderen Erwähnung.

2018 hat der Fachjournalist für Pferdesport und Pferdezucht Thomas Hartwig aus Milte, der sich seit vielen Jahren auch mit den wirtschaftlichen Aspekten des Themas beschäftigt, ermittelt, dass rund 10 Prozent der 11.000 Arbeitsplätze in Warendorf einen Bezug zum Thema Pferd haben. Dies gilt neben den Primär-Bereichen wie Landgestüt, FN und den vielen Pferdebetrieben auch für Bereiche der Sekundär- oder Tertiär-Wirtschaft wie beispielsweise dem Hotel- oder Gastronomie-Gewerbe. Ein beachtlicher Anteil in einer Kommune unserer eher überschaubaren Größenordnung.

Neben rund 100.000 Gästen aus dem In- und Ausland, die alljährlich zu den verschiedenen hippologischen Ereignissen  nach Warendorf strömen, kommt in etwa nochmal die gleiche Zahl an Auswärtigen hinzu, die zu Lehrgängen, Fortbildungen und Seminaren unterschiedlichster Art anreisen. Rund 100 Reitanlagen im Stadtgebiet beherbergen Pferde und ihre Menschen  – sei es als Freizeit- oder sportlich ambitionierter Reiter; allein auf die Reitschule Schulze Niehues in Freckenhorst entfallen rund 12.000 Übernachtungen per anno. Leider gilt das in Corona Zeiten nicht – auch  die Pferdebranche verzeichnet angesichts der aktuellen Krise erhebliche Einbußen!

Auch das gesellschaftliche Leben wird an vielen Stellen vom Pferd geprägt, sei es in den alljährlichen Umzügen und Aufmärschen der zahlreichen Schützenvereine im Stadtgebiet, bei den vielen Turnier- und sonstigen Veranstaltungen der Vereine und Betriebe, dem Bogenritt oder den Auftritten des berittenen Fanfarenzuges Freckenhorst, um nur einige zu nennen.

Und last not least: Gibt es ein schöneres Bild, als Stuten mit ihren Fohlen oder Ponys aller Rassen auf den zahlreichen Wiesen und Weiden bei einem Spaziergang oder einer Radtour in unserer herrlichen Münsterländer Parklandschaft zu beobachten?

Fritz Otto-Erley

Foto: FN-Archiv/Inge Vogel